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Löwe
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Der Löwe (Panthera leo) ist neben dem Tiger eine der beiden gröĂten Arten aus der Familie der Katzen. Er ist heute nur noch in Teilen Afrikas sĂŒdlich der Sahara sowie im indischen Bundesstaat Gujarat beheimatet; in Afrika ist er das gröĂte Landraubtier. Charakteristisches Merkmal erwachsener MĂ€nnchen ist eine MĂ€hne. Löwen leben im Unterschied zu anderen Katzen in Rudeln. Eine veraltete, poetische Bezeichnung ist Leu.
Contents
âą Merkmale
âą MĂ€hne
âą Lebensweise
âą Sozialverhalten
⹠ErnÀhrung
âą Unterarten
âą Spelaea-Gruppe
âą Wortherkunft
⹠Jagd auf Löwen
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Merkmale
Körperbau und Fellfarbe
Löwen weisen unter anderem hinsichtlich ihrer KörpergröĂe einen deutlichen Sexualdimorphismus auf: MĂ€nnchen sind durchschnittlich gröĂer und schwerer (siehe Tabelle). Die gröĂten Löwen leben heute im sĂŒdlichen Afrika, die kleinsten in Asien. Die gröĂten Löwenformen des PleistozĂ€n, zum Beispiel der Amerikanische Löwe und der Höhlenlöwe, waren deutlich gröĂer, werden heute aber meist zu eigenstĂ€ndigen Arten gerechnet.
| Merkmal | MĂ€nnchen | Weibchen | Quelle |
|---|---|---|---|
| Kopf-Rumpf-LĂ€nge | | | |
| Kopf-Rumpf-LĂ€nge | 184â208 cm | 160â184 cm | West & Packer 2013 [ 1 ] |
| Kopf-Rumpf-LĂ€nge | 170â190 cm | 140â175 cm | Leyhausen 1987 [ 2 ] |
| Kopf-Rumpf-LĂ€nge | SĂŒdafrika: Durchschnitt: 190 cm, Maximum: 206 cm | SĂŒdafrika: Durchschnitt: 169 cm, Maximum: 193 cm | James Stevenson-Hamilton [ 3 ] |
| Kopf-Rumpf-LĂ€nge | Asien: Durchschnitt: 186 cm | Asien: Durchschnitt: 165 cm | Yadvendradev V Jhala 2019 [ 4 ] |
| SchwanzlÀnge | | | |
| SchwanzlĂ€nge | 82,5â93,5 cm | 72â89,5 cm | West & Packer 2013 [ 1 ] |
| SchwanzlĂ€nge | Asien: 81â94 cm | Asien: 64â88 cm | Yadvendradev V Jhala 2019 [ 4 ] |
| SchwanzlĂ€nge | 70â105 cm | 70â105 cm | Leyhausen 1987 [ 2 ] |
| SchĂ€dellĂ€nge | 33â38 cm | ca. 30 cm | TomaĆĄovĂœch und J. GullĂĄr 2022 [ 5 ] |
| Schulterhöhe | | | |
| Schulterhöhe | SĂŒdafrika: Durchschnitt: 101 cm, Maximum: 110 cm (Ausnahme: 116 cm) | SĂŒdafrika: Durchschnitt: 87 cm, Maximum: 100 cm | James Stevenson-Hamilton [ 3 ] Sam Ferreira [ 6 ] |
| Schulterhöhe | Asien: Durchschnitt: 101 cm, Maximum: 110 cm | Asien: Durchschnitt: 94.5 cm, Maximum: 103 cm | Yadvendradev V Jhala 2019 [ 4 ] |
| Schulterhöhe | 80â110 cm | 80â110 cm | Leyhausen 1987 [ 2 ] |
| Gewicht | 150â225 kg (Durchschnitt: 190 kg, Rekord: 272 kg) | 122â192 kg (Durchschnitt: 126 kg) | San Diego Zoo Global Library 2020 [ 7 ] |
| Gewicht | 150â250 kg | 120â180 kg | Leyhausen 1987 [ 2 ] |
| Gewicht | SĂŒdafrika: Durchschnitt: 200 kg, Maximum: 251 kg | SĂŒdafrika: Durchschnitt: 143 kg, Maximum: 152 kg | Dewalt Keet [ 8 ] A.Roberts [ 9 ] Nowell & Jackson 1996 [ 10 ] |
| Gewicht | Asien: Durchschnitt: 160 kg Maximum: 190 kg | Asien: Durchschnitt: 116,5 kg, Maximum: 138 kg | Nowell & Jackson 1996 [ 10 ] Yadvendradev V Jhala 2019 [ 4 ] |
Löwen haben ein kurzes, sandfarben oder gelblich bis dunkelocker oder lohfarben (hell rotbraun) gefĂ€rbtes Fell. Die Unterseite und die Beininnenseiten sind heller beziehungsweise weiĂ.cite-ref-san-diego-zoo-7-1[7] AuffĂ€llig ist die schwarze Schwanzquaste, die hĂ€ufig einen als Hornstachel bezeichneten keratinösen Sporn umgibt.cite-ref-11[11] Junge Löwen haben dunkle Flecken, die wĂ€hrend des ersten Lebensjahres verblassen. Selten bleiben diese Flecken auch bei erwachsenen Löwen sichtbar, aber stets undeutlich und nur aus der NĂ€he erkennbar.
Wie bei Tigern gibt es bei Löwen gelegentlichen Leuzismus: Löwen mit nahezu weiĂem Fell. Diese Tiere sind keine Albinos, was Ă€uĂerlich daran erkennbar ist, dass sie keine roten Augen haben; im Gegensatz zu Albinos bilden leuzistische Tiere das Pigment Melanin. Bei Leuzismus wird die weiĂe Fellfarbe ĂŒber ein rezessives Gen vererbt. WeiĂe Löwen treten heute nur in der sĂŒdafrikanischen (in ihrem taxonomischen Status umstrittenen; siehe unten) Unterart Transvaal-Löwe (Panthera leo krugeri) auf. Seit 1995 (Stand: 2015) wurden keine adulten weiĂen Löwen in freier Natur beobachtet, obwohl gelegentlich weiĂe Jungtiere geboren wurden. Dies hĂ€ngt jedoch offenbar nicht damit zusammen, dass weiĂe Löwen einen geringeren Jagderfolg hĂ€tten, weil sie fĂŒr potenzielle Beutetiere leichter zu entdecken wĂ€ren: Ausgewilderte weiĂe Löwen hatten unter naturnahen Bedingungen in umzĂ€unten Freilandgebieten keinen signifikant geringeren Jagderfolg als normale lohfarbene (tawny) Löwen. Der Jagderfolg weiĂer Löwen basiert offenbar darauf, dass Löwen hĂ€ufig nachts jagen und tagsĂŒber bei der Jagd Deckung bietende Vegetation nutzen. Die Autoren dieser Untersuchung schlieĂen aus den Ergebnissen, dass die Ăberlebensbedingungen weiĂer Löwen von Natur aus nicht schlechter sind als die normal gefĂ€rbter und dass heute deswegen keine erwachsenen weiĂen Löwen mehr in freier Natur beobachtet werden, weil diese von TrophĂ€enjĂ€gern ausgerottet werden.cite-ref-12[12] Eine weitere, allerdings selten auftretende FĂ€rbungsvariante sind schwĂ€rzliche, melanistische Löwen.cite-ref-san-diego-zoo-7-2[7]
MĂ€hne
Adulte MĂ€nnchen haben eine lange MĂ€hne, die oft dunkelbraun ist, aber auch schwarz, hellbraun oder rotbraun sein kann. Diese MĂ€hne breitet sich von Kopf und Hals bis ĂŒber Brust und Schultern aus, seltener ĂŒber den Bauch.cite-ref-san-diego-zoo-7-3[7] Form und Farbe der MĂ€hne variieren nicht nur zwischen Individuen, sondern auch beim selben Individuum im Laufe des Lebens in AbhĂ€ngigkeit von der körperlichen Verfassung.
Besonders lange und dunkle MĂ€hnen sind ein Zeichen guter Verfassung und Kampfeskraft, da Hormonstatus und ErnĂ€hrungszustand Auswirkungen auf Dichte und LĂ€nge der MĂ€hne haben. Experimentelle Untersuchungen mit ausgestopften LöwenmĂ€nnchen haben gezeigt, dass Weibchen positiv auf Modelle mit lĂ€ngeren und dunklen MĂ€hnen reagieren, wĂ€hrend MĂ€nnchen Modelle mit ausgeprĂ€gten MĂ€hnen eher meiden. Praktischen Nutzen könnte die MĂ€hne als Schutz gegen Prankenhiebe und Bisse bei KĂ€mpfen rivalisierender MĂ€nnchen haben. Deshalb haben MĂ€nnchen durch eine MĂ€hne einen Selektionsvorteil, nicht aber Weibchen, die nicht auf KĂ€mpfe spezialisiert sind. Bei der Jagd ist eine MĂ€hne, anders als bei KĂ€mpfen, nicht von Vorteil. Andererseits haben Forschungen gezeigt, dass auch die Temperatur einen wichtigen Einfluss auf die GröĂe der MĂ€hne hat und LöwenmĂ€nnchen in kĂ€lteren Gebieten auch unabhĂ€ngig von ihrer Unterart stĂ€rkere MĂ€hnen ausbilden als solche, die in sehr warmen Gebieten leben. So bilden LöwenmĂ€nnchen in Zoos kĂŒhler Regionen meist stĂ€rkere MĂ€hnen aus als ihre Artgenossen in wĂ€rmeren Gefilden. Bei asiatischen Löwen ist die MĂ€hne weniger deutlich ausgeprĂ€gt als bei ihren afrikanischen Artgenossen.
Bereits bei zwölf Monate alten MĂ€nnchen sind Anzeichen einer sich entwickelnden MĂ€hne erkennbar.cite-ref-13[13] Es dauert mehr als fĂŒnf Jahre, bis ein LöwenmĂ€nnchen eine voll ausgebildete MĂ€hne hat. In einigen Gebieten Afrikas, etwa im Tsavo-Nationalpark in Kenia, sind zahlreiche MĂ€nnchen mĂ€hnenlos oder besitzen nur schwache MĂ€hnen. Auch im Pendjari- und W-Nationalpark-Gebiet in Westafrika tragen nahezu alle MĂ€nnchen keine oder wenig entwickelte MĂ€hnen.cite-ref-14[14]
In seltenen FÀllen kommt es auch vor, dass weibliche Löwen eine MÀhne ausbilden. Im Okavangodelta in Botswana wurden mehrfach Löwinnen gesichtet, die wie mÀnnliche Tiere aussahen und sich auch so verhielten. Grund könnte entweder ein Gendefekt bei der Entwicklung des Embryos oder eventuell ein besonders hoher Testosteronspiegel beim Muttertier wÀhrend der TrÀchtigkeit sein.cite-ref-15[15] Die prÀhistorischen Löwen der Spelaea-Gruppe (siehe unten) hatten vermutlich keine MÀhnen.
Verbreitungsgebiet und Lebensraum
WĂ€hrend der letzten Vereisung hatten Löwen (die je nach systematischer Einordnung verschiedene Arten reprĂ€sentierten oder als Unterarten nur einer Art eingestuft werden) ein groĂes Verbreitungsgebiet. Es reichte in der letzten Kaltzeit von Peru bis Alaska, wo der Amerikanische Löwe vorkam,cite-ref-16[16] und erstreckte sich ĂŒber Sibirien und weite Teile Nordasiens und Europas, wo der Höhlenlöwe vorkam, bis Indien, Arabien und Afrika im SĂŒden.cite-ref-17[17] Einen GroĂteil dieses Verbreitungsgebietes bĂŒĂten die Löwen allerdings schon am Ende der Vereisungszeit ein.
Das geschichtliche Verbreitungsgebiet des rezenten Löwen umfasste nicht nur groĂe Teile Afrikas, sondern auch das sĂŒdöstliche Europa sowie Vorderasien und Indien. Eurasien wurde wĂ€hrend des Letzteiszeitlichen Maximums vor etwa 21.000 Jahren von Afrika aus besiedelt.cite-ref-schnitzler-hermann-2019-18-0[18] Nordafrika war zu dieser Zeit etwas kĂŒhler als heute und extrem trocken; SĂŒdeuropa war groĂenteils von halbwĂŒstenartiger Steppe bedeckt, in feuchteren Regionen gab es eingestreute Baumgruppen.cite-ref-19[19]
Ob von der Iberischen Halbinsel bis Italien Löwen lebten, ist unklar. Fossilfunde aus dem frĂŒhen HolozĂ€n im Norden Spaniens lassen sich nicht eindeutig dem Löwen zuordnen, es könnte sich auch um Ăberreste des Höhlenlöwen gehandelt haben. Ein eisenzeitlicher Löwenfund aus dem SĂŒden Spaniens könnte auf Tiere zurĂŒckzufĂŒhren sein, die von Römern fĂŒr Zirkusspiele eingefĂŒhrt wurden. Umstritten ist auch, ob in Italien gefundene, etwa 7000 bis 9000 Jahre alte ZĂ€hne vom Löwen oder vom Höhlenlöwen stammen.cite-ref-schnitzler-2011-20-0[20]
In Europa stammen die meisten fossilen Nachweise des Löwen aus Griechenland, Bulgarien, Ungarn und der Ukraine. Der Ă€lteste, allerdings nicht zweifelsfrei gesicherte fossile Hinweis auf einen Löwen in Europa betrifft die spĂ€te Jungsteinzeit Bulgariens, etwa 6000 Jahre v. Chr. Auch ein griechischer Fund wird auf die spĂ€te Jungsteinzeit datiert (âLate Neolithic IIâ, etwa 5000 v. Chr.). Die gröĂtenteils zu Ungarn gehörende Pannonische Tiefebene besiedelten Löwen ebenfalls etwa 5000 v. Chr., als das Klima dort (nach einem Temperaturoptimum 5700 v. Chr.) kĂŒhler und trockener wurde, die Tiefebene jedoch eine vielfĂ€ltige Fauna groĂer Pflanzenfresser beherbergte. Fossilien des Löwen in der Ukraine wurden auf 6400 bis 2000 BP datiert (umgerechnet: 4450 v. Chr. bis 50 v. Chr.). Die meisten ukrainischen Fundorte liegen an der SchwarzmeerkĂŒste im Raum Odessa; der nördlichste Fundort liegt im GroĂraum Kiew bei 50 Grad nördlicher Breite. In Ungarn erreichte die nördliche Verbreitung des Löwen Breitenlagen bis 48 Grad.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22]
Die jĂŒngsten griechischen Fossilien werden in die Periode der Archaik (800 bis 500 v. Chr.) datiert.cite-ref-23[23] Dass auf dem Balkan noch in der Antike Löwen lebten, berichten auch zeitgenössische Gelehrte wie Herodot, Aristoteles, Plutarch und Xenophon.cite-ref-24[24] Der Löwe starb in Griechenland im Zeitraum vom 4. vorchristlichen bis zum 1. nachchristlichen Jahrhundert aus.cite-ref-25[25] In der Ukraine geben schriftliche und bildliche Ăberlieferungen aus dem Mittelalter Hinweise auf ein dortiges Löwenvorkommen noch im 12. Jahrhundert.cite-ref-26[26] Im Nahen Osten und im SĂŒdkaukasus ĂŒberlebte der Löwe bis ins 12. oder 13. Jahrhundert. In Nordafrika wurden die letzten Löwen in der ersten HĂ€lfte des 20. Jahrhunderts ausgerottet; die letzten nordafrikanischen Nachweise stammen aus dem Tschad (1940) und aus Marokko (1942). Heute ist die Verbreitung weitestgehend auf das Afrika sĂŒdlich der Sahara beschrĂ€nkt. Auch die asiatischen Löwenpopulationen wurden im 20. Jahrhundert nahezu vollstĂ€ndig vernichtet. Im Iran wurden die letzten Löwen 1957 beobachtet. Ein kleiner, in neuer Zeit zunehmender Restbestand hat sich in Indien unter anderem im Gir-Nationalpark in Gujarat gehalten.cite-ref-schnitzler-2011-20-1[20]
Löwen sind anpassungsfĂ€hig und kommen in einer Vielzahl von Habitaten vor. Der bevorzugte Lebensraum des Löwen ist die Savanne, doch besiedelt er auch TrockenwĂ€lder und HalbwĂŒsten. Niemals findet man ihn in dichten, feuchten WĂ€ldern und in extrem trockenen WĂŒsten. Deshalb fehlt die Art in den zentralafrikanischen RegenwĂ€ldern und im Innern der Sahara.cite-ref-san-diego-zoo-7-4[7] In Nordafrika besiedelten Löwen auch winterkaltes Bergland; im Gebirge kommen sie in Höhen von mehr als 4000 Metern vor.cite-ref-27[27]cite-ref-iucn2017-28-0[28]
Bestand und GefÀhrdung
Wie bei fast allen GroĂtieren Afrikas geht die HauptgefĂ€hrdung der Löwen durch den Menschen von Lebensraumzerstörungen und direkten Nachstellungen aus. Nach EinschĂ€tzung der IUCN ist der weltweite Löwenbestand von 1993 bis 2014 um 43 Prozent zurĂŒckgegangen. In stichprobenartig ausgewĂ€hlten Subpopulationen nahmen die BestĂ€nde in vier sĂŒdafrikanischen LĂ€ndern (Botswana, Namibia, SĂŒdafrika, Zimbabwe) sowie in Indien in dieser Zeit um durchschnittlich zwölf Prozent zu, in den weitaus meisten LĂ€ndern des heutigen Verbreitungsgebiets, und zwar in solchen mit hoher Bevölkerungsdichte, jedoch um 60 Prozent ab; in zwölf afrikanischen LĂ€ndern ist der Löwe in neuerer Zeit (recently) ausgestorben, in sieben weiteren, vorwiegend westafrikanischen LĂ€ndern möglicherweise ausgestorben.cite-ref-iucn2017-28-1[28] Der BestandsrĂŒckgang setzte sich in spĂ€teren Jahren fort, ein mögliches Ende des RĂŒckgangs ist nicht absehbar; fĂŒr den Zeitraum von 2018 bis 2023 schĂ€tzte die IUCN ihn auf acht Prozent. Am stĂ€rksten vom RĂŒckgang betroffen sind west- und zentralafrikanische Löwen. Der gröĂte Anteil afrikanischer Löwen lebt in SĂŒdafrika (47,6 Prozent) und Ostafrika (46,5 Prozent; Zentralafrika: 4,8 Prozent; Westafrika: 1,1 Prozent).cite-ref-iucn2024-29-0[29]
Hauptursachen fĂŒr den RĂŒckgang sind Lebensraumzerstörungen und die damit einhergehende Fragmentierung von Populationen sowie direkte Verfolgung, unter anderem durch Viehhalter, die giftkontaminierte Kadaver auslegen. DarĂŒber hinaus lieĂ Wilderei fĂŒr den zunehmend kommerzialisierten Handel mit âBuschfleischâ die Populationen von Beutetieren der Löwen in weiten Teilen der Savannen Afrikas kollabieren, womit Löwen die Nahrungsbasis verloren ging. Um Huftiere zu wildern, werden Schlingen ausgelegt, in denen sich auch Löwen und andere GroĂraubtiere fangen; die Anzahl der in Schlingen gefangenen Löwen nimmt offenbar zu. Weitere wachsende Bedrohungen fĂŒr Löwen sind die Gewinnung von Körperteilen fĂŒr die traditionelle Medizin in Afrika und Asien sowie kriegerische Konflikte. Hinzu kommt eine teilweise unzureichend reglementierte TrophĂ€enjagd.cite-ref-iucn2024-29-1[29] Ein weiteres Problem sind Krankheiten wie Staupe, die in extremen Klimaperioden aufgrund von Co-Infektionen mit einzelligen Babesien fĂŒr erhebliche Teile eines Löwenbestands tödlich verlaufen kann,cite-ref-30[30] sowie Rinder-Tuberkulose, fĂŒr die insbesondere kleine, isolierte und deshalb zur Inzucht neigende Löwenpopulationen anfĂ€llig sind.cite-ref-31[31]
Das derzeit vom Löwen besiedelte Gebiet macht etwa 7,4 Prozent seines historischen Verbreitungsgebiets aus. Von 2002 bis 2023 verkleinerte sich das verbliebene Verbreitungsgebiet um 36 Prozent. Die IUCN schĂ€tzte die Anzahl subadulter und erwachsener Löwen fĂŒr 2023 auf 23.000 â ein allerdings mit erheblichen Unsicherheiten behafteter Wert. Der Löwe wird von der IUCN insgesamt in die GefĂ€hrdungskategorie Vulnerable (gefĂ€hrdet) eingestuft; die Population des Löwen in Westafrika, der einer anderen Unterart als die sĂŒdostafrikanischen Löwen angehört, gilt als vom Aussterben bedroht (Critically Endangered).cite-ref-iucn2024-29-2[29]cite-ref-32[32] Der auf den Gir-Nationalpark und angrenzende Gebiete in Indien beschrĂ€nkte Bestand asiatischer Löwen (dieselbe Unterart wie der westafrikanische Löwe) wurde 2020 auf 670 subadulte und erwachsene Tiere geschĂ€tzt. In einigen Schutzgebieten Afrikas haben intensive SchutzbemĂŒhungen die LöwenbestĂ€nde stabilisiert, im SĂŒden Afrikas vor allem in umzĂ€unten Gebieten offenbar auch mit positiven Bestandsentwicklungen; gebietsweise wurde die Art wiedereingebĂŒrgert. In anderen Gebieten gingen die BestĂ€nde zurĂŒck oder sind erloschen.cite-ref-iucn2024-29-3[29]
Lebensweise
Sozialverhalten
Im Gegensatz zu anderen, eher einzelgĂ€ngerischen GroĂkatzen leben Löwen im Rudel. Ein solches Rudel besteht zumeist aus drei bis zehn, ausnahmsweise bis zu 21 untereinander verwandten Weibchen und deren Nachkommen, die von einer sogenannten âKoalitionâ aus einigen erwachsenen MĂ€nnchen gegen rudelfremde MĂ€nnchen verteidigt werden. FĂŒr gewöhnlich gibt es in einem Rudel drei oder vier erwachsene MĂ€nnchen, ausnahmsweise bis zu neun, selten nur eines. Diese MĂ€nnchen sind in der Regel (aber nicht immer) miteinander verwandt, sie stehen in der Rangordnung ĂŒber den Weibchen.cite-ref-33[33]cite-ref-san-diego-zoo-7-5[7]
Die GröĂe von Streifgebieten, die sich entweder mit Gebieten anderer Rudel ĂŒberlappen oder gegen andere Rudel verteidigt werden â im letzteren Fall sind es Territorien, auch Reviere genannt â variiert in AbhĂ€ngigkeit von der RudelgröĂe und der HĂ€ufigkeit von Beutetieren. Sie umfasst zumeist etwa 100 bis 200 Quadratkilometer, kann jedoch auch bis zu viereinhalbtausend Quadratkilometer betragen. Reviergrenzen werden mit Kot, Urin und Kratzspuren markiert, auch das weithin hörbare GebrĂŒll demonstriert den Anspruch der Revierinhaber.cite-ref-san-diego-zoo-7-6[7]
Die jungen MĂ€nnchen bleiben etwa zwei bis drei Jahre im Rudel, bis sie ihre Geschlechtsreife erreicht haben; danach werden sie vertrieben. Sie streifen dann mitunter ĂŒber Jahre umher und schlieĂen sich meist mit anderen nomadisierenden MĂ€nnchen zusammen. Diese Bindung zwischen miteinander verwandten oder auch fremden Löwen kann dabei sehr stark werden. Die Nomaden legen in dieser Zeit sehr groĂe Strecken zurĂŒck, respektieren keine Reviergrenzen, grĂŒnden aber auch keine eigenen Reviere. Um ein eigenes Rudel zu erobern, mĂŒssen sie die alten Revierbesitzer vertreiben oder im Kampf besiegen. Solche KĂ€mpfe sind in der Regel blutig, und nicht selten können sie tödlich enden. Geschlagene RudelfĂŒhrer werden vertrieben und fĂŒhren dann meist ein Leben als EinzelgĂ€nger. Oft sterben sie jedoch an den Folgen der Kampfverletzungen.
Nach der Eroberung eines Rudels durch neue MĂ€nnchen kommt es hĂ€ufig zum Infantizid, das heiĂt, die neuen RudelfĂŒhrer töten die Jungen ihrer VorgĂ€nger. Die ultimate Ursache dieses Verhaltens besteht entsprechend der Theorie des egoistischen Gens darin, dass die Weibchen als Folge des Infantizids nach kurzer Zeit wieder paarungsbereit sind und die neuen MĂ€nnchen eigenen Nachwuchs zeugen und so ihre Gene verbreiten können. Die fĂŒhrenden MĂ€nnchen des Rudels können sich meist nur fĂŒr wenige Jahre gegen Konkurrenten durchsetzen, bis sie von jĂŒngeren, stĂ€rkeren Artgenossen vertrieben oder getötet werden. Im Durchschnitt wechseln die dominanten MĂ€nnchen eines Rudels alle zwei bis drei Jahre. Im Gegensatz zu den MĂ€nnchen verbringen die Weibchen in der Regel ihr gesamtes Leben in dem Rudel, in dem sie geboren wurden.
Löwen sind weniger reinlich als beispielsweise Hauskatzen; in der Regel wird nur der NasenrĂŒcken gereinigt. Gegenseitige Fellpflege gibt es bei groben Verschmutzungen wie zum Beispiel durch Blut der Beutetiere.
ErnÀhrung
Löwen jagen meist bei Dunkelheit oder in den kĂŒhlen Morgenstunden. Sie sind opportunistische JĂ€ger, die zumeist diejenigen Tiere erbeuten, die gerade verfĂŒgbar sind. Zu den Beutetieren gehören vor allem mittelgroĂe und groĂe Huftiere wie Antilopen, Gazellen, Gnus, BĂŒffel, Zebras und Warzenschweine, auch domestizierte Huftiere wie Hausrinder und Esel, aber auch Raubtiere wie HyĂ€nen und Schakale sowie kleinere SĂ€ugetiere wie Hasen und Nagetiere, auĂerdem Vögel wie Geier und StrauĂe und manchmal Reptilien wie Schildkröten und Krokodile sowie Fische und sogar Insekten.cite-ref-san-diego-zoo-7-7[7] In manchen Gegenden spezialisieren sich Löwen auch auf eher untypische Beutetiere. So schlagen Löwen in groĂen Rudeln mit GruppenstĂ€rken von etwa 30 Tieren am Savuti bisweilen halbwĂŒchsige Elefanten und am Linyanti Flusspferde (beides im Chobe-Nationalpark, Botswana) oder auch Giraffen (meist Jungtiere). In Teilen dieses Nationalparks und im benachbarten Hwange-Nationalpark machen Elefanten etwa 20 Prozent der Löwennahrung aus, wobei vor allem Jungtiere und insbesondere HalbwĂŒchsige im Alter von vier bis elf Jahren erlegt werden.cite-ref-34[34]cite-ref-35[35] In Namibia zĂ€hlen bei den WĂŒstenlöwen auch SeebĂ€ren zu den Beutetieren.cite-ref-36[36] Selbst groĂe Rudel sind aber nicht in der Lage, ausgewachsene Nashörner zu erlegen.
MĂ€nnliche Löwen sind erfolgreiche JĂ€ger, nehmen jedoch nur an drei bis vier Prozent der Jagden teil; hĂ€ufiger als Weibchen fressen sie Aas.cite-ref-san-diego-zoo-7-8[7] Eine Studie im Kruger-Nationalpark ergab allerdings, dass selbst territoriale mĂ€nnliche Löwen, die ein Rudel besitzen, regelmĂ€Ăige JĂ€ger sind. Besonders in dicht bewachsenen und unĂŒbersichtlichen LebensrĂ€umen scheinen rudelfĂŒhrende MĂ€nnchen sich weniger von der Beute ihrer Weibchen zu ernĂ€hren als in offenen LebensrĂ€umen. Nicht-territoriale LöwenmĂ€nnchen, die noch kein Rudel erobern konnten, mĂŒssen sich ohnehin ihre Beute selbst beschaffen und regelmĂ€Ăig jagen. Im Gegensatz zu den weiblichen Tieren, die im untersuchten Gebiet vor allem Zebras und Gnus bevorzugten, jagten die LöwenmĂ€nnchen vor allem KaffernbĂŒffel.cite-ref-37[37] Junglöwen gehen im Alter von drei Monaten zum ersten Mal mit der Mutter zur Jagd. Erst im Alter von zwei Jahren haben sie die Jagdkunst so weit erlernt, dass sie nicht mehr von Alttieren abhĂ€ngig sind.cite-ref-san-diego-zoo-7-9[7]
Löwen sind keine ausdauernden LĂ€ufer und können ihre Höchstgeschwindigkeit von etwa 60 Kilometer pro Stunde nicht lange durchhalten.cite-ref-38[38] Viele der wesentlichen Beutetiere erreichen auĂerdem eine höhere Höchstgeschwindigkeit als Löwen. Auf Grund des Körperbaus kann ein Löwe jedoch schnell beschleunigen und ist daher auf kurzer Distanz in der Lage, beispielsweise ein Zebra einzuholen, das ihm aufgrund seiner Höchstgeschwindigkeit von 65 Kilometer pro Stunde auf lĂ€ngeren Strecken entkommen könnte. Löwen mĂŒssen sich deshalb im Normalfall bis auf wenige Dutzend Meter an die Beute heranpirschen. Sie schleichen sich geduckt oft ĂŒber mehrere hundert Meter an die Beute heran, wobei jede Deckung ausgenutzt wird. Je nĂ€her sie der Beute kommen, desto mehr achten sie auf Deckung. Ist eine Distanz von zirka 30 Metern erreicht, wird die Beute in mehreren SĂ€tzen angesprungen; jeder Sprung ist dabei etwa sechs Meter weit. Durch die Wucht des Aufpralls kann selbst ein Beutetier, das wie beispielsweise ein Zebra doppelt so schwer ist wie der jagende Löwe, aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Kleinen Beutetieren wie etwa einer Thomsongazelle durchbeiĂen Löwen anschlieĂend das Genick. GröĂere Beutetiere wie ein Gnu oder Zebra werden durch einen Kehlbiss getötet. Da die EckzĂ€hne des Löwen zu kurz sind, um gröĂere BlutgefĂ€Ăe zu erreichen, töten Löwen diese gröĂeren Beutetiere, indem sie die Luftröhre einklemmen und so die Sauerstoffversorgung des Gehirns unterbrechen.cite-ref-39[39] Nach dem Jagderfolg kommt die Rangfolge im Rudel zum Tragen. Die adulten MĂ€nnchen dĂŒrfen zuerst fressen, es folgen die ranghöchsten Weibchen, zuletzt die Jungen. Am Kadaver kommt es nicht selten zu RangkĂ€mpfen, bei denen Rudelmitglieder verletzt werden.
Der Jagderfolg ist abhĂ€ngig vom Geschick der jagenden Tiere, von der Tageszeit, den lokalen Gegebenheiten und der bejagten Tierart. In der Serengeti sind 14 Prozent aller Jagden auf Riedböcke und 32 Prozent aller Angriffe auf Gnus erfolgreich.cite-ref-cm34-40-0[40] Der Jagderfolg von Löwen ist damit dort deutlich geringer als der von Afrikanischen Wildhunden oder Geparden. Da Löwen in offenen Landschaften jagen, erhöht die gemeinsame Jagd die Chance, erfolgreich Beute zu schlagen. Nach einer Untersuchung in der Serengeti verdoppelt sich der Jagderfolg, wenn zwei Löwinnen gemeinsam jagen. Der Jagderfolg stieg in dieser Untersuchung jedoch nicht wesentlich an, wenn mehr als zwei Löwinnen an der Jagd beteiligt waren. Eine Studie in einer halbwĂŒstenĂ€hnlichen Region in Namibia kam dagegen zu dem Ergebnis, dass diejenigen Rudel den höchsten Jagderfolg haben, bei denen mehrere Löwinnen ihre Jagdtechnik eng koordinieren. In dieser weitgehend deckungslosen Landschaft kreisten einige Löwinnen die Beute ein, wĂ€hrend andere sich in einem Hinterhalt auf die Lauer legten.cite-ref-cm34-40-1[40] Ein weiterer Vorteil der gemeinschaftlichen Jagd liegt darin, dass die Beute im Rudel leichter gegen andere RĂ€uber wie Wildhunde und HyĂ€nen verteidigt werden kann.
Oft fressen Löwen auch Aas. Dabei vertreiben sie hĂ€ufig andere Raubtiere wie TĂŒpfelhyĂ€nen von ihrer Beute â weit hĂ€ufiger als umgekehrt. In einigen Gebieten Ostafrikas jagen Löwen HyĂ€nen 70 Prozent ihrer Jagdbeute ab. Löwen finden die Beute anderer Raubtiere, indem sie auf kreisende Geier achten, die Beute von HyĂ€nen aber auch, indem sie Streitereien von HyĂ€nenrudeln um erlegte Beute akustisch lokalisieren. Löwen trinken, wenn Wasser verfĂŒgbar ist, sie können jedoch auch durch den Wassergehalt ihrer Beute oder von Pflanzen ĂŒberleben, in der Kalahari etwa von Tsamma-Melonen.cite-ref-san-diego-zoo-7-10[7]
Fortpflanzung und Entwicklung
Weibchen werden, unter anderem in AbhĂ€ngigkeit von den Umweltbedingungen, im Alter von zwei bis drei Jahren geschlechtsreif, erstmals trĂ€chtig werden sie mit durchschnittlich dreieinhalb Jahren. MĂ€nnchen sind mit gut zwei Jahren geschlechtsreif, können aber frĂŒhestens mit fĂŒnf Jahren ein Rudel ĂŒbernehmen und Junge zeugen.cite-ref-san-diego-zoo-7-11[7] Das MĂ€nnchen ĂŒberprĂŒft die Paarungsbereitschaft eines Weibchens geruchlich mit dem Jacobson-Organ, das sich im harten Gaumen befindet. Dazu zieht der Löwe die Oberlippe zurĂŒck und öffnet leicht das Maul; dies wird als Flehmen bezeichnet.
Auch wenn ein MĂ€nnchen die Spitze der Rangordnung einnimmt, kann es sich mit einem Weibchen nur mit dessen Zustimmung paaren. Hierzu legt sich die Löwin auf den Bauch und erlaubt dem MĂ€nnchen, sie zu besteigen. WĂ€hrend der Kopulation beiĂt der Kater der Löwin in den Nacken; dadurch hĂ€lt diese instinktiv still. Eine Kopulation findet etwa alle 15 Minuten statt, ĂŒber drei bis vier Tage zirka 40 Mal am Tag; ein Kopulationsakt dauert etwa 30 Sekunden.
Nach einer Tragzeit von etwa vier Monaten bringt die Löwin in einem Versteck abseits vom Rudel zumeist ein bis vier, maximal sechs Junge zur Welt. Neugeborene wiegen etwa 1,5 Kilogramm, ihre Augen öffnen sich bei der Geburt oder kurz danach. Sie werden im Versteck etwa sechs bis acht Wochen von der Mutter gesĂ€ugt. Ist dieses weit vom Rudel entfernt, geht die Mutter allein auf Jagd. Dabei kann es vorkommen, dass die Jungen bis zu 48 Stunden allein im Versteck bleiben; dies ist besonders wegen HyĂ€nen und anderer Raubtiere gefĂ€hrlich. Nach maximal acht Wochen fĂŒhrt die Löwin ihre Jungen zum Rudel, wo sie sich zusammen mit anderen Jungen zu einer CrĂšche, einem âHortâ, zusammenschlieĂen. Die jungen Löwen saugen ab diesem Zeitpunkt nicht nur bei der Mutter, sondern auch bei den anderen Weibchen, womit die Aufzucht allen weiblichen Mitgliedern des Rudels obliegt (Ammenverhalten). Im Alter von vier bis sechs Wochen beginnen die Jungen, auch Fleisch zu fressen. Mit acht Monaten werden Löwenjunge entwöhnt, sie bleiben aber noch bis zum Alter von 21 bis 30 Monaten bei der Mutter.cite-ref-san-diego-zoo-7-12[7]
Etwa 60 Prozent der Löwen sterben bereits in ihrem ersten Lebensjahr. MĂ€nnchen können im Freiland elf bis 13, selten 16 Jahre alt werden; hĂ€ufig werden sie von jĂŒngeren Konkurrenten getötet oder verletzt vertrieben. Weibchen können 17 bis 18 Jahre erreichen. Das Rekordalter von Löwen im Zoo betrĂ€gt etwa 27 Jahre.cite-ref-san-diego-zoo-7-13[7]
Externe Systematik
Der Löwe zĂ€hlt innerhalb der GroĂkatzen zur Gattung Panthera, deren Arten unter anderem durch ein unvollstĂ€ndig verknöchertes Zungenbein charakterisiert sind. FrĂŒher wurde dieses Merkmal mit der FĂ€higkeit zu brĂŒllen in Verbindung gebracht. Neuere Studien zeigen jedoch, dass das charakteristische laute BrĂŒllen des Löwen (und anderer GroĂkatzen der Gattung Panthera) vor allem durch eine spezielle Morphologie des Kehlkopfes bedingt ist. Der Löwe schnurrt, wie andere GroĂkatzen auch, nur beim Ausatmen. Das Schnurren klingt dabei nicht wie das einer Kleinkatze, sondern eher wie ein Knurren oder Brummen.
Stammesgeschichte
Die Verwandtschaftsgruppe der Löwen war einst in Afrika, Europa, Asien und Amerika weit verbreitet.cite-ref-manuel-41-0[41] Der Ă€lteste Fossilnachweis einer Katze, die stark einem Löwen Ă€hnelt, stammt aus Laetoli in Tansania und ist etwa 3,5 Millionen Jahre alt. Von einigen Wissenschaftlern werden diese Funde, die nur aus KieferbruchstĂŒcken und wenigen postcranialen (nicht zum SchĂ€del gehörenden) Knochen bestehen, als Panthera leo angesehen, andere Forscher bestreiten diese Gleichsetzung. Die wenigen Funde erlauben kaum eine genaue Bestimmung der Artzugehörigkeit, auch sind die Ă€ltesten sicher bestĂ€tigten Funde von Löwen in Afrika rund zwei Millionen Jahre jĂŒnger.cite-ref-42[42]
Vor etwa 700.000 Jahren taucht mit dem Mosbacher Löwen (Panthera fossilis) am italienischen Fundort von Isernia zum ersten Mal ein Löwe in Europa auf. Ein 1,75 Millionen Jahre alter Löwen-Unterkiefer aus der Olduvai-Schlucht in Tansania zeigt eine frappierende Ăhnlichkeit mit den Mosbacher Löwen. Diese gelten als die gröĂten Löwen Europas und jagten wĂ€hrend der Cromer-Warmzeit vor mehr als 500.000 Jahren bei Wiesbaden in Hessen und bei Heidelberg in Baden-WĂŒrttemberg. Einige Exemplare waren fast so lang wie die gröĂten Löwen der Erdgeschichte, die Amerikanischen Löwen (Panthera atrox) aus Kalifornien, die eine RekordlĂ€nge von 3,6 Metern (Kopf-Rumpf-LĂ€nge circa 2,4 Meter) erreichten.
Die meisten Löwenfunde in Europa stammen vom eiszeitlichen Höhlenlöwen (Panthera spelaea), der sich aus dem Mosbacher Löwen entwickelt hat. In Nordostasien und Beringia lebte der Beringia-Höhlenlöwe (Panthera leo vereshchagini), eine Unterart des Höhlenlöwen.cite-ref-43[43] In Mitteleuropa, Nordasien und Amerika waren Löwen bis zum Ende des PleistozÀns ein hÀufiges Element der Fauna, starben dort aber am Ende der letzten Eiszeit aus.
Unterarten
Im Laufe der Zeit wurden zahlreiche Unterarten des Löwen beschrieben, von denen im 2009 erschienenen Raubtierband des Handbook of the Mammals of the World, einem Standardwerk zur SÀugetierkunde, noch sechs anerkannt wurden:cite-ref-hmw-2009-44-0[44]
⹠Der Kongo-Löwe (Panthera leo azandica), im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo
âą Der Angola-Löwe oder Katanga-Löwe (Panthera leo bleyenberghi), in Angola, Sambia und im SĂŒden der Demokratischen Republik Kongo
âą Der Transvaal-Löwe (Panthera leo krugeri), im nordöstlichen und östlichen SĂŒdafrika und im Kalahari-Gebiet
⹠Der Ostafrikanische Löwe oder Nubische Löwe (Panthera leo nubica), in Nordost- und Ostafrika
⹠Der Asiatische Löwe (Panthera leo persica), im Gir-Nationalpark im westlichen Indien
⹠Der Westafrikanische Löwe oder Senegal-Löwe (Panthera leo senegalensis), im Westen Afrikas
âą Panthera leo leo, die nördliche Unterart, umfasst die westafrikanischen Löwen, die Löwen, die in Zentralafrika nördlich des RegenwaldgĂŒrtels leben, die indischen Löwen sowie die ausgerotteten Löwen Nordafrikas, des Nahen und Mittleren Ostens und des Balkans.
âą Panthera leo melanochaita, die sĂŒdliche Unterart, umfasst die Löwen des östlichen und sĂŒdlichen Afrikas.
Genetische Analysen ergaben, dass sich Westafrikanische Löwen deutlich von denen im SĂŒden und Osten des Kontinents unterscheidencite-ref-bertola2011-46-0[46] und die nordafrikanischen Berberlöwen die nĂ€chsten Verwandten der indischen Löwen sind. Nordafrikanisch-asiatische Löwen spalteten sich nach molekularbiologischen Untersuchungen vor etwa 70.000 bis 200.000 Jahren von den afrikanischen Löwen sĂŒdlich der Sahara ab.cite-ref-schnitzler-47-0[47] Auch ein 2016 veröffentlichter Genvergleich und eine 2020 veröffentlichte Studie ĂŒber die Evolutionsgeschichte der Löwen zeigen, dass die rezenten Löwen aus zwei Kladen bestehen, die den Unterarten Panthera leo leo und Panthera leo melanochaita entsprechen. Die von beiden gebildete Klade ist die Schwestergruppe der ausgestorbenen Höhlenlöwen.cite-ref-bertola2016-48-0[48]cite-ref-manuel-41-1[41] Innerhalb der beiden Unterarten lassen sich jeweils zwei genetisch voneinander verschiedene Subpopulationen unterscheiden; diese bilden die Löwen in: (1) West- und Zentralafrika, (2) Indien, (3) Ostafrika, (4) SĂŒdafrika. Die beiden Unterarten vermischen sich in einer Ăberlappungszone im Osten Afrikas.cite-ref-49[49]cite-ref-iucn2024-29-4[29]
Bei den vom Menschen ausgerotteten Berber- und Kaplöwen handelt es sich damit nicht um eigenstÀndige Unterarten, sondern um Populationen von Panthera leo leo bzw. Panthera leo melanochaita. Bis vor 37.000 Jahren kamen Löwen auf Sri Lanka vor; sie wurden als eigenstÀndige Unterart Panthera leo sinhaleyus beschrieben.cite-ref-50[50]
Spelaea-Gruppe
Die ausgestorbenen prĂ€historischen Löwen Amerikas und Nordeurasiens bilden die sogenannte Spelaea-Gruppe, die sich genetisch von den Löwen Afrikas und SĂŒdasiens (Leo-Gruppe) unterscheidet. Dazu zĂ€hlen:
⹠Mosbacher Löwe (Panthera fossilis)
⹠Höhlenlöwe (Panthera spelaea)
⹠Amerikanischer Löwe (Panthera atrox)
Löwen und Menschen
Wortherkunft
Im Deutschen gibt es zwei Varianten desselben Wortes, einmal das gĂ€ngige Löwe, das aus dem norddeutschen Raum ĂŒbernommen wurde, sowie das altertĂŒmlich-poetische Leu. Entlehnt hat das Deutsche die Bezeichnung aus lat. leo, das seinerseits dem gr. leĆn entstammt. Vermutet wird weiterhin, dass das Wort im semitischen Raum (assyr. labbu, hebr. leva âdie Löwenâ) seinen Ursprung hat.cite-ref-51[51]
Jagd auf Löwen
Löwen wurden bereits in der Antike intensiv bejagt, so waren sie in Ăgypten um 1100 v. Chr. weitgehend ausgerottet.cite-ref-52[52] Im 19. und 20. Jahrhundert wurden Löwen im groĂen MaĂstab systematisch verfolgt, insbesondere auch als Folge der Kolonialisierung Afrikas durch EuropĂ€er. Einerseits galten Löwen als SchĂ€dlinge, andererseits wurden Zigtausende Löwen, die fĂŒr GroĂwildjĂ€ger zu den begehrten âBig Fiveâ gehören, den fĂŒnf prominenten GroĂwildarten Afrikas, als âsportliches FreizeitvergnĂŒgenâ erschossen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts töteten Teilnehmer mancher Safaris Löwen in dreistelliger Zahl; 1911 wurden in der Serengeti wĂ€hrend einer einzigen Safari mindestens 700 Löwen erschossen.cite-ref-53[53]
Die Zahl der zu Beginn des 21. Jahrhunderts von TrophĂ€enjĂ€gern erschossenen Löwen schĂ€tzte die IUCN 2009 auf 600 pro Jahr; Körperteile von etwa 60 Prozent dieser Löwen wurden als TrophĂ€en in die USA importiert. Vorrangiges Ziel von TrophĂ€enjĂ€gern sind mĂ€nnliche Löwen; der Verlust von RudelfĂŒhrern fĂŒhrt dann oftmals dazu, dass weitere Rudelmitglieder sterben, unter anderem weil neue RudelfĂŒhrer nach der Ăbernahme des Rudels die Jungen ihrer VorgĂ€nger töten. Die lokale Bevölkerung profitiert entgegen anders lautenden Behauptungen finanziell nur minimal von der TrophĂ€enjagd.cite-ref-54[54] Zudem werden vor allem in SĂŒdafrika Löwen in Gefangenschaft aufgezogen, um sie dann in Gehegen von zahlungskrĂ€ftigen TrophĂ€enjĂ€gern bei sogenannten canned hunts erschieĂen zu lassen.cite-ref-milman-55-0[55]
Nachdem 2015 in Zimbabwe ein im Rahmen eines langjĂ€hrigen Forschungsprojekts besenderter und unter Touristen besonders beliebter Löwe (âCecilâ) von einem US-amerikanischen JĂ€ger erschossen worden war, was auch in politischen Kreisen internationale Proteste nach sich zog, listete der United States Fish and Wildlife Service Löwen als gefĂ€hrdete Art, womit die Jagd auf Löwen fĂŒr US-amerikanische TrophĂ€enjĂ€ger schwieriger, aber nicht unmöglich wurde. Frankreich verbot im selben Jahr als erstes Land der EuropĂ€ischen Union den Import der Körperteile von Löwen, ebenso Australien.cite-ref-56[56]cite-ref-milman-55-1[55]cite-ref-57[57] Das deutsche Bundesamt fĂŒr Naturschutz erteilt dagegen weiterhin Genehmigungen fĂŒr die Einfuhr von JagdtrophĂ€en aus Körperteilen gefĂ€hrdeter Tiere wie Löwen.cite-ref-58[58]
Löwen in Haltung
Löwen wurden von assyrischen Herrschern bereits 850 v. Chr. in Gefangenschaft gezĂŒchtet. Zur Zeit des Römischen Reichs wurden Löwen zu Tausenden aus Afrika importiert, in Menagerien zur Schau gestellt und bei Zirkusspielen gegen Menschen und Tiere gehetzt.cite-ref-san-diego-zoo-7-14[7] Im europĂ€ischen Mittelalter wurden Löwen als Statussymbole und fĂŒr SchaukĂ€mpfe in königlichen Menagerien, unter anderem im Tower of London, sowie auf den Anwesen Adeliger in KĂ€figen gehalten. BerĂŒhmte frĂŒhneuzeitliche Menagerien, in denen Löwen und andere exotische Tiere zur Schau gestellt wurden, lieĂ Ludwig XIV. in Versailles und Vincennes errichten.cite-ref-59[59] Insbesondere im 18. und 19. Jahrhundert wurden Löwen in Europa und in den USA auch in Wandermenagerien durch das Land gekarrt.cite-ref-60[60]
In heutigen Zoos versucht man, die genetische Vielfalt von Löwen durch Zuchtprogramme zu bewahren, indem man mit Tieren aus unterschiedlichen Regionen des Verbreitungsgebiets zĂŒchtet â unter anderem mit indischen Löwen sowie mit Löwen, zu deren Vorfahren wahrscheinlich die nordafrikanischen Berberlöwen gehören.
Die Haltung von dressierten GroĂraubtieren wie Löwen in Zirkussen, die in der Manege KunststĂŒcke auffĂŒhren, gilt als kontrovers und ist in einigen LĂ€ndern verboten. In manchen afrikanischen Wildreservaten wird ein sogenannter âCatwalkâ angeboten; dabei werden die Besucher mit zahmen Löwen durch die Wildnis gefĂŒhrt.
Löwen in Religion, Kultur und Mythologie
Bereits die eiszeitlichen JĂ€ger in der Kulturstufe des Aurignacien haben vor mehr als 30.000 Jahren Löwen dargestellt. Zu den eindrucksvollsten Kunstwerken aus jener Zeit, das zugleich zu den Ă€ltesten ĂŒberlieferten Skulpturen der Menschheit zĂ€hlt, gehört die aus Mammutelfenbein geschnitzte, fast 30 Zentimeter hohe Figur des sogenannten Löwenmenschen mit dem Körper eines Menschen und dem Kopf eines Höhlenlöwen; sie wurde in der Höhle Hohlenstein-Stadel in Baden-WĂŒrttemberg entdeckt und verkörperte vielleicht eine Gottheit. Aus altbabylonischer Zeit stammt die Bronzeskulptur des Löwen von Mari.
In vielen Kulturen hat der Löwe eine Stellung als âKönig der Tiereâ eingenommen, die auf den Einfluss des Physiologus zurĂŒckzufĂŒhren ist, eines frĂŒhchristlichen Buches ĂŒber Tiersymbolik von allgemein groĂem Einfluss auf die westliche Kultur. Die vom Löwen ausgehende Faszination wird durch die Vielzahl von Wappen deutlich, auf denen er abgebildet ist. So findet man den Löwen als Wappentier beispielsweise auf den Wappen von Hessen, Husum, Luxemburg, ZĂŒrich, Aquitanien und Montenegro. Dass Löwen den EuropĂ€ern bereits im Altertum bekannt wurden, liegt daran, dass sie einst rund um das Mittelmeer verbreitet waren. In der griechischen Mythologie erscheinen Löwen in verschiedener Funktion: Der Nemeische Löwe wurde als eine menschenfressende Bestie dargestellt, den zu töten eine der zwölf Aufgaben des Herakles war. In der Geschichte von Androklus zieht der Held, ein entlaufener Sklave, einem Löwen einen Dorn aus der Tatze; als er spĂ€ter zur Strafe fĂŒr seine Flucht den Löwen zum FraĂ vorgeworfen werden soll, erkennt ihn das Tier wieder und weigert sich, den Mann zu töten.
Das Wappen Indiens zeigt die Darstellung einer Ashoka-SĂ€ule, auf deren Kapitell vier Löwen RĂŒcken an RĂŒcken sitzend in die vier Himmelsrichtungen schauen. Auf der Flagge von Sri Lanka wurde der Löwe als Symbol der Singhalesen verewigt. Der Name des Volkes der Singhalesen entstammt dem Wort siáčha aus dem Sanskrit, was âLöweâ bedeutet.
In zahlreichen antiken Kulturen spielte der Löwe eine Rolle. Im alten Ăgypten wurden Pharaonen als Sphingen mit Löwenkörper und Menschenkopf dargestellt. Die berĂŒhmteste derartige Darstellung ist die GroĂe Sphinx von Gizeh. Neben der Löwengestalt des Pharao wurde Sachmet als Göttin mit weiblichem Löwenkopf verehrt. Weiter kannte die Ă€gyptische Mythologie sowohl Dedun, den oberĂ€gyptischen Gott des Reichtums, der in spĂ€terer Zeit ebenfalls löwenköpfig dargestellt wurde, als auch die Löwengöttinnen Repit, Mehit, Menhit, Mestjet und den Löwengott Mahes. Das Wort M3áž„s selbst ist auĂerdem die Bezeichnung fĂŒr Löwe.cite-ref-61[61] Der Ă€gyptische Erdgott Aker wird dargestellt mit einer Bildkomposition, in der zwei Löwen RĂŒcken an RĂŒcken sitzen und zwischen sich eine Darstellung des Horizonts mit Sonne halten. Der Markuslöwe ist das Symbol fĂŒr den Evangelisten Markus.
Im Mittelalter fungieren Löwenfiguren manchmal als unheilabwehrende (apotropĂ€ische) WĂ€chter von EingĂ€ngen (z. B. an St-Trophime in Arles). Bei Grabmalen (gisants) ruhen oft die FĂŒĂe von Rittern oder Adligen auf Löwenfiguren.
Am nördlichen Sternenhimmel gibt es gleich zwei nach diesem Tier benannte Sternbilder: den Löwen und den Kleinen Löwen. Bei Ersterem soll es sich um eine Inkarnation des Nemeischen Löwen handeln, wÀhrend Letzterer eine Neuschöpfung des 17. Jahrhunderts war.
Dass der Löwe ein Image als mĂ€chtiges, stolzes, mutiges, starkes Tier hat, zeigt sich daran, dass sich bis in die Gegenwart Menschen nach ihm benennen. Bedeutendste Beispiele aus dem Mittelalter sind Heinrich der Löwe und â weniger positiv besetzt â Richard Löwenherz. In der FrĂŒhen Neuzeit wurde der schwedische König Gustav II. Adolf wegen seines Eingreifens im DreiĂigjĂ€hrigen Krieg âLöwe aus Mitternachtâ genannt. Der afghanische Kriegsherr Ahmad Schah Massoud wurde von seinen AnhĂ€ngern âder Löwe von Pandschirâ genannt, der Ă€thiopische Kaiser Haile Selassie nannte sich âLöwe von Judaâ. In Tierfabeln wird der Löwe auch als Nobel bezeichnet.cite-ref-62[62]
Leo auf Schloss Gripsholm ist eine so misslungene Rekonstruktion eines Löwen, dass das ausgestopfte Tier eine Touristenattraktion geworden ist.
Der Löwe in Sprache und Werbung
Löwenanteil bedeutet GroĂteil in dem Sinn, dass der mĂ€chtige Löwe das meiste fĂŒr sich selbst beansprucht. Baulöwe und Salonlöwe stehen fĂŒr manche einflussreichen, wohlhabenden Menschen der High Society. Einige Wirtschaftsunternehmen verwenden Löwenfiguren als Logos und fĂŒr Werbeauftritte, unter anderem LöwenbrĂ€u (MĂŒnchen), Kastner & Ăhler (Graz) und Hartlauer (Steyr). Der körperlich groĂe österreichische Politiker Josef Wenzl machte mit einer Löwenfigur Image- und Wahlwerbung. Im Vorspann von Filmen der Metro-Goldwyn-Mayer brĂŒllt ein Löwe, der aus einer Rahmenkulisse herausschaut. Der Braunschweiger Löwe wurde Markenzeichen des Lkw-Herstellers BĂŒssing und dessen Nachfolger MAN.
Ein Halleiner Steinmetz wurde 1941 vom NS-Regime beauftragt, vier Löwen mit Wappen fĂŒr die (heutige) Salzburger StaatsbrĂŒcke zu fertigen; nur zwei wurden fertig und ab etwa 1949 vor dem Hauptbahnhof Linz aufgestellt. Auch als Name oder Bestandteil von Namen wurde der Löwe verwendet, wie zum Beispiel bei den mittelalterlichen Königen Richard Löwenherz (1157â1199) und Heinrich der Löwe (1130â1195) oder auch bei dem Nachnamen Löwenthal. Von den lateinischen beziehungsweise griechischen Bezeichnungen fĂŒr Löwe abgeleitet sind unter anderem die Namen Leo, Leon und Leonardo.
Seine Symbolik als eines der gröĂten, stĂ€rksten und edelsten Raubtiere fĂŒhrt auch dazu, dass zahlreiche Sport-Teams Löwen als Wappentier und Namenspatron verwenden, bekannte Beispiele sind die Detroit Lions im American Football, die Löwen Frankfurt und ZSC Lions im Eishockey, die British and Irish Lions im Rugby oder die Rhein-Neckar-Löwen im Handball. Der englische FuĂball-Verband hat drei Löwen in seinem Wappen, was dazu fĂŒhrt, dass die englische Nationalmannschaft unter dem Spitznamen Three Lions bekannt ist.
Menschenfressende Löwen
Löwen haben wahrscheinlich seit jeher Menschen und Vorfahren des heutigen Menschen erbeutet. Menschen zu jagen geht fĂŒr Löwen allerdings mit Risiken einher, die den Nutzen der Nahrungsgewinnung in der Regel ĂŒbersteigen; deshalb gehören Menschen nicht zum allgemeinen Beutespektrum von Löwen. Wird jedoch der Lebensraum von Löwen so gestört, dass die BestĂ€nde ihrer ĂŒblichen Beutetiere zusammenbrechen, können Löwen zur Menschenjagd ĂŒbergehen.cite-ref-yeakel-63-0[63] Letzteres gilt auch fĂŒr einzelne Löwen, die unter schweren Verletzungen wie gebrochenen GliedmaĂen leiden. Ein weiterer Risikofaktor fĂŒr Menschen besteht darin, dass Aas fressende Löwen in die NĂ€he menschlicher Siedlungen oder Camps gelockt werden, wenn Verstorbene nicht bestattet werden oder wenn EssensabfĂ€lle oder tote Tiere offen liegen gelassen werden; auch Vieh kann Löwen in MenschennĂ€he locken. Löwen und HyĂ€nen folgten auĂerdem Karawanen, unter anderem denen der SklavenhĂ€ndler, die sterbende und gestorbene Sklaven zurĂŒcklieĂen.cite-ref-kerbis-64-0[64]
Tansania, Uganda
Die schwerste bekannte Angriffsserie ereignete sich von 1932 bis 1947 im sĂŒdlichen Tansania, wo in einem 150 Quadratmeilen groĂen Gebiet etwa 1500 Menschen von Löwen getötet wurden. Man hatte dort einen âwildfreien Korridorâ geschaffen, um einer Rinderpest-Epidemie Herr zu werden. Löwen mehrerer Generationen fixierten sich in der Folge so sehr auf die Menschenjagd, dass sie sogar in Dörfer eindrangen und schlieĂlich selbst bei der unmittelbaren VerfĂŒgbarkeit von Vieh stattdessen Menschen erbeuteten. Eine weitere Angriffsserie ereignete sich ab 1924 in Uganda, wo allein in diesem Jahr 161 Menschen von Löwen getötet wurden, nachdem man, ebenfalls zur BekĂ€mpfung einer Rinderpest-Epidemie, die wildlebenden Huftiere ausgerottet hatte.cite-ref-kerbis-64-1[64]
Kenia (Tsavo)
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Hauptartikel
:
Tsavo-Menschenfresser
Der bekannteste Fall von Löwenangriffen betraf das damalige Britisch-Ostafrika, das heutige Kenia: 1898 töteten dort zwei Löwen (je nach Quelle) 28 bis 135 indische und afrikanische Arbeiter, die mit dem Bau einer EisenbahnbrĂŒcke ĂŒber den Tsavo-Fluss beschĂ€ftigt waren.cite-ref-yeakel-63-1[63] Die Bauarbeiten an der BrĂŒcke kamen zum Erliegen, als die Löwen auch in Camps eindrangen, die mit hohen DornenwĂ€llen umfriedet waren, und dort Menschen erbeuteten. Dem Leiter des Bauprojekts, dem britischen Oberstleutnant John Henry Patterson, gelang es erst nach neun Monaten, die beiden Löwen zu erlegen. Beide waren mĂ€nnlich, mĂ€hnenlos und ungewöhnlich groĂ: Sie hatten GesamtlĂ€ngen von 2,95 beziehungsweise 2,90 Metern und Schulterhöhen von 1,12 beziehungsweise 1,22 Metern.cite-ref-kerbis-64-2[64]
Nach Pattersons Angabe wurden 135 Menschen Opfer dieser Löwen;cite-ref-65[65] diese Zahl ist jedoch laut Kerbis Peterhans & Gnoske unbelegt.cite-ref-kerbis-64-3[64] Von Yeakel et al. durchgefĂŒhrte Untersuchungen des IsotopenverhĂ€ltnisses von Kohlenstoff und Stickstoff aus Knochen und Haaren zeigten, dass einer der beiden im Field Museum of Natural History in Chicago als Dermoplastiken ausgestellten Löwen gelegentlich, der zweite hauptsĂ€chlich Menschenfleisch fraĂ. Vermutlich war der Letztere aufgrund seiner Kieferverletzung auf leicht zu erjagende Beute angewiesen. Indem die Forscher die ĂŒblicherweise von Löwen verzehrte Fleischmenge zugrunde legten, schlossen sie rechnerisch, dass den beiden Löwen etwa 35 Menschen zum Opfer gefallen waren;cite-ref-yeakel-63-2[63] es ist allerdings fraglich, ob ein IsotopenverhĂ€ltnis genaue RĂŒckschlĂŒsse auf die Nahrungszusammensetzung erlaubt.cite-ref-66[66] 2024 wurden im Bereich der ZĂ€hne erhalten gebliebene Haare von Beutetieren analysiert. Es wurde nachgewiesen, dass die Löwen neben den Menschen auch Massai-Giraffen, Oryxantilopen, Wasserböcke, Gnus und Zebras gerissen haben.cite-ref-67[67]
Die Tsavo-Angriffe folgten ebenfalls auf eine Rinderpest-Epidemie: Diese nach Afrika eingeschleppte Seuche lieĂ die BestĂ€nde von Hausrindern und BĂŒffeln zusammenbrechen. Aufgrund der Jagd nach Elfenbein waren zudem Elefanten im Osten Kenias weitgehend ausgerottet; dies hatte zur Folge, dass sich Strauchvegetation, insbesondere auch DorngebĂŒsche, ausgebreitet hatten, die den Lebensraum grasender Huftiere, einer wichtigen Beute von Löwen, ĂŒberwucherten. Es gab bereits vor den berĂŒchtigten Ereignissen Löwenangriffe in der Tsavo-Region, und selbst ein Jahrhundert spĂ€ter wurde noch ĂŒber Löwenangriffe in der Region berichtet: Kerbis Peterhans & Gnoske vermuten deshalb, dass sich unter den dortigen Löwen eine lokale Verhaltenstradition der Menschenjagd herausgebildet hatte.cite-ref-kerbis-64-4[64]
Die Vorkommnisse wĂ€hrend des BrĂŒckenbaus am Tsavo-Fluss inspirierten zwei Hollywood-Produktionen: Der erste kommerzielle 3D-Film, der im Jahre 1952 gedreht und in Deutschland unter dem Titel Bwana, der Teufel veröffentlicht wurde, und Der Geist und die Dunkelheit von 1996 griffen dieses Ereignis auf.
Literatur
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Filmdokumentationen
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âą Vanishing Kings â Lions of the Namib. Dokumentarfilm zu den WĂŒstenlöwen in Namibia, Namibia 2015, ORF/Into Nature Productions/Smithsonian Channel/Arte, 50 Minuten.
Weblinks
Commons
: Löwe (
Panthera leo
)
â Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikispecies
: Löwe
â Artenverzeichnis
Wikiquote: Löwe
â Zitate
Wiktionary: Löwe
â BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Ăbersetzungen
âą Literatur von und ĂŒber Löwe im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⹠Artenprofil Löwe; IUCN/SSC Cat Specialist Group in Englisch
⹠Panthera leo in der Roten Liste gefÀhrdeter Arten der IUCN 2012. Eingestellt von: H. Bauer, K. Nowell, C. Packer, 2008. Abgerufen am 18. Oktober 2013.
âą Dokumentation: Löwen â Das wahre Leben der Raubkatzen; 44 min, ARD-Mediathek, abgerufen am 5. Januar 2024
⹠Dokumentation: Das Reich der Löwen; 44 min, ARD-Mediathek, abgerufen am 5. Januar 2024
âą Dokumentation: WĂŒstenkönige â Die Löwen der Namib; 46 min, 3sat Mediathek, verfĂŒgbar bis 4. MĂ€rz 2024, abgerufen am 5. Januar 2024
Einzelnachweise
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